Der pharmazeutische Bau macht nur einen kleinen Teil des globalen Baumarktes aus, ist jedoch auf einen äußerst schmalen Kreis an GMP-konformem Fachwissen angewiesen. Dieser Kreis schrumpft.
Da die Investitionen in Biologika, sterile Fertigung, Laboratorien und fortschrittliche Therapien weltweit zunehmen, übersteigt die Nachfrage nach spezialisierten pharmazeutischen Baukompetenzen das Angebot.
Dies ist nicht mehr nur ein Arbeitskräftemangel. Es ist eine Kompetenzkrise.
Die Folgen zeigen sich bereits bei Großprojekten in Form von Auftragnehmerwechseln, verzögerten CQV-Aktivitäten, einer geringeren Erstauslieferungsqualität, Validierungsdruck und einem wachsenden Risiko hinsichtlich der Betriebsbereitschaft.
Wir sprachen mit Daniel Wade , dem CEO von Wade Construction Management Consultants, darüber, warum dieses Thema in den nächsten zehn Jahren zu einem der entscheidenden Risiken bei der Umsetzung pharmazeutischer Investitionsprojekte wird.
Fragen und Antworten mit Daniel Wade
Frage: Warum ist dies mehr als nur ein Arbeitskräftemangel?
Daniel Wade:
Weil es nicht um die Anzahl der Mitarbeiter geht – es geht um die Kompetenz.
Ein Bauteam kann bei konventionellen Projekten hochkompetent sein und dennoch in einem GMP-regulierten Umfeld Schwierigkeiten haben. Pharmazeutische Projekte erfordern fachliches Urteilsvermögen in Bezug auf Reinräume, Kontaminationskontrolle, kritische Versorgungssysteme, CQV, Validierungsbereitschaft, Automatisierung und Dokumentationsdisziplin.
Die Branche greift immer wieder auf denselben kleinen Kreis erfahrener Fachkräfte zurück, während der Projektbedarf weltweit weiter steigt.
Das Risiko besteht nicht darin, dass den Projekten die Mitarbeiter komplett ausgehen. Das Risiko besteht darin, dass Unternehmen Projekte mit fähigen Generalisten besetzen, die noch nicht für die Pharmabranche bereit sind.
Wenn das geschieht, zeigen sich die Folgen oft erst später in Form von Nacharbeiten, verzögerten Umsatzpaketen, Validierungsdruck, einem langsameren CQV-Abschluss und einem geringeren Vertrauen in die Lieferergebnisse.
F: Warum verschärft sich das Problem gerade jetzt?
Daniel Wade:
Mehrere Belastungsfaktoren kommen gleichzeitig zusammen.
Die erfahrenen Fachkräfte im GMP-Bauwesen altern, die Ruhestandsquoten steigen und die Branche kann Fachkompetenzen nicht schnell genug ersetzen. Gleichzeitig werden pharmazeutische Projekte komplexer, stärker reguliert und technologietriebener.
Zudem verschärft sich der Wettbewerb um dieselben Fachkräfte in den Bereichen Biologika, fortschrittliche Therapien, Halbleiterfertigung, moderne Industrieanlagen und große Infrastrukturprojekte.
Die Herausforderung besteht darin, dass viele der wertvollsten Kompetenzen im pharmazeutischen Bauwesen erst durch langjährige Projekterfahrung erworben werden. Man kann fundierte GMP-Kompetenzen nicht allein durch kurzfristige Einstellungen schnell aufbauen.
Deshalb sind Unternehmen, die sich ausschließlich auf reaktive Personalbeschaffung verlassen, zunehmend gefährdet.
F: Wie wird sich dies in den nächsten zehn Jahren auf Projekte in der Pharmabranche und den Biowissenschaften auswirken?
Daniel Wade:
Die Auswirkungen werden sich in einer zunehmenden Instabilität der Lieferungen zeigen.
Projekte werden schwieriger zu besetzen, schwieriger zu kontrollieren und schwieriger sauber abzuschließen sein. Unternehmen werden wahrscheinlich zunehmenden Zeitdruck, eine geringere Erstlieferquote, Verzögerungen bei der Übergabe und bei CQV-Aktivitäten, steigende Kosten für Fachkräfte sowie eine größere Abhängigkeit von überlasteten oder unerfahrenen Teams erleben.
Da pharmazeutische Anlagen in stark regulierten Umgebungen betrieben werden, wirken sich diese Belastungen nicht nur auf den Bau aus. Sie wirken sich auf die Betriebsbereitschaft, das Vertrauen in die Einhaltung von Vorschriften und letztlich auf die Produktionsleistung aus.
Die Unternehmen, die in den nächsten zehn Jahren am besten abschneiden werden, sind diejenigen, die die Einsatzbereitschaft der Belegschaft und die Governance-Fähigkeiten als strategische Projektsteuerungsinstrumente betrachten und nicht als Beschaffungsfragen.
F: Auf welche Frühwarnzeichen sollten Führungskräfte achten?
Daniel Wade:
Eines der deutlichsten Warnsignale ist die zunehmende Abhängigkeit von “Heldenleistungen”, wenn immer wieder dieselben erfahrenen Mitarbeiter einspringen, um Probleme bei der Lieferung, der Qualität oder der Fluktuation zu beheben.
Führungskräfte sollten zudem besonders auf den Austausch von Auftragnehmern nach der Vergabe, eine verringerte Aufsichtskapazität und Projektteams achten, die Schwierigkeiten haben, die Bauaktivitäten mit den Anforderungen an CQV, Validierung und Betriebsbereitschaft in Einklang zu bringen.
Weitere Warnsignale sind Probleme mit Reinräumen oder Versorgungsleitungen in der Endphase, reaktive Dokumentationsprozesse sowie wachsende Spannungen zwischen Programmdruck und der Einhaltung der GMP-Vorschriften.
Viele dieser Probleme sehen zunächst wie gewöhnlicher Projektdruck aus. In Wirklichkeit sind sie jedoch oft frühe Anzeichen für eine Erschöpfung der Kapazitäten und eine Schwächung der Governance-Kontrolle.
F: Was ist das größte Missverständnis, das Organisationen haben?
Daniel Wade:
Dass man diese Fachkompetenz einfach später einkaufen kann.
Der Markt wird zu eng, als dass reaktive Personalbeschaffungsmodelle noch zuverlässig funktionieren könnten. Starke Unternehmen bauen bereits vor dem Start von Projekten Kapazitäten auf – durch strukturierte Governance, Kompetenzrahmen, Mentoring, Wissenstransfer und frühzeitige CQV-Integration.
Das ist der eigentliche Wandel, der sich auf dem Markt vollzieht.
F: Eine abschließende Botschaft an die Führungskräfte der Pharmaindustrie?
Daniel Wade:
Warten Sie nicht darauf, dass das nächste Projekt die Lücke aufdeckt.
Wenn ein Programm erst unter Druck gerät, sind die verfügbaren Lösungen meist reaktiv, teuer und weitaus weniger effektiv.
Am Ende dieses Artikels finden Sie einen Link zu unserem Executive Readiness Assessment und unserer GMP Capability Heat-Map. Diese Tools sollen Unternehmen dabei helfen, festzustellen, ob sie tatsächlich im Vorfeld des Projektbedarfs Fachkompetenzen aufbauen oder sich zu stark auf die Rekrutierung in der späten Projektphase und die Verfügbarkeit von Auftragnehmern verlassen.
Unternehmen, die frühzeitig handeln, werden in Bezug auf Liefersicherheit, Qualität, Governance und langfristige Widerstandsfähigkeit in einer deutlich stärkeren Position sein.
Empfohlener nächster Schritt
Bewerten Sie die Bereitschaft Ihrer Organisation, bevor das nächste Projekt anläuft. Ermitteln Sie, wo Ihr aktuelles Governance-Modell, die Fähigkeiten Ihrer Auftragnehmer und die Reife Ihres internen Teams möglicherweise bereits Schwachstellen aufweisen.
Sprechen Sie mit Wade
Wade Construction Management Consultants unterstützt Pharmaunternehmen durch die Stärkung der kundenseitigen Projektsteuerung, die Einbindung erfahrener GMP-Baukompetenz und die Unterstützung von Teams beim Aufbau langfristiger Lieferresilienz.
Wade stellt einen umfassenden Bericht zu diesem Thema bereit, einschließlich einer Bewertung der Führungsbereitschaft sowie einer GMP-Fähigkeits-Heatmap, um Unternehmen dabei zu helfen, ihren aktuellen Vorbereitungsstand hinsichtlich des Fachkräftemangels im pharmazeutischen Bauwesen zu bewerten. Um diese Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an:
E-Mail: admin@wadecmc.co.uk
Telefon: +44 (0)1325 344580